Romantik Hotel Turm in Völs am Schlern

Kochfee Essen & Trinken, Tipp, Übernachten, Unterwegs 1 Comment

{Pressereise} Romantik Hotel Turm in Völs am Schlern. Es wird Zeit für ein neues „Hol(l)a die Kochfee unterwegs“! Inzwischen ist im Rahmen der „Hol(l)a trifft“ Reihe auch ein Interview mit Stefan Pramstrahler erschienen.

Romantik Hotel Turm in Völs am Schlern

Jetzt schau dir mal dieses Bild an – genau vor dieser Kulisse kamen wir vor einigen Jahren zum ersten Mal in den Turm. Direkt neben der Kirche, schlicht, fast bieder. Ganz nett, um ein Wochenende zu verbringen, aber DAS sollte ein besonderes Highlight sein?

Zugegebenermaßen skeptisch marschierten wir also mit unserem Gepäck in Richtung Rezeption und mussten bereits nach wenigen Schritten feststellen, DAS hier, das ist mal etwas ganz anderes! Eine uralte Stube fügt sich nahtlos in eine Art modernes Museum. Kunst, wohin das Auge reicht! All das so mühelos im Einklang, dass es vollkommen selbstverständlich scheint. DAS ist mit knappen Worten das Romantik Hotel Turm im wunderschönen Völs am Schlern, hoch über Bozen, in einer meiner Lieblingsregionen überhaupt. Übrigens wissen wir jetzt auch, das das Hotel über eine luxuriöse Garage verfügt, von der aus man ganz bequem per Lift direkt neben der Bar ankommt!!

Der Ausblick auf den Sonnenuntergang am Schlern aus unserer Suite im Falkenturm. Im der warmen Jahreszeit kann man das Abendessen im Garten genießen und bekommt knallorange Felsen gratis dazu!

Family Business von Anfang an

Der Turm ist eine Institution, das weiß ich inzwischen. Natürlich was Gastlichkeit und Kulinarik angeht, die einmalige Architektur, die hier alt und neu so harmonisch zusammenfügt, die Lage mit dem atemberaubenden Blick auf den Schlern. Aber Turm bedeutet auch und vor allem Kunst. Ich hatte diesmal das Glück, am Tag unserer Ankunft eine Kunstführung mit dem Hausherrn Stefan Pramstrahler zu erleben, eine absolute Empfehlung! Was Stefan in zwei Stunden zu erzählen hat ist ein Mix aus Geschichte, Familienchronik und dem Schicksal Südtirols, wie man es sich früher im Unterricht gewünscht hätte! Dann hätte man jetzt jedenfalls mehr Ahnung, das ist sicher.

In der Bar – einer der bequemsten Schaukelsessel überhaupt und im Winter mein Lieblingsplatz im Turm. Mit einem Picasso im Rücken. Und einem Fisch im Käfig…denn „Jeder Fisch hat einen Vogel“.

Wenn sich das Schicksal zum Guten wendet

Stefans Großvater kam nach dem ersten Weltkrieg in russische Gefangenschaft, aus der er aufgrund der abgelegenen Lage und mangels Internet erst zwei Jahre nach Kriegsende entlassen wurde. Zurück in Südtirol war die Nachkriegsordnung längs hergestellt, die Jobs waren rar und so wurde er Postbote bei der sich damals neu etablierenden italienischen Post. Im Zuge der Italienisierung* Südtirols, bei der man die Südtiroler Schritt für Schritt ihrer Identität beraubte, verließen viele der alten Bewohner die Region. Die Regierung bemühte sich, hier Süditaliener anzusiedeln. In der Umsetzung war dies jedoch nicht sonderlich erfolgreich und so begann man, die leer stehenden Objekte zu verkaufen. Und hier hatten Staatsdiener, wie Großvater Pramstrahler als Beamter der italienischen Post, Vorrang beim Kauf.

* Im Besonderen bezeichnet der Begriff den Versuch der ab 1922 regierenden faschistischen Regierung des Königreiches Italien, die im Rahmen des Irredentismus einverleibten Gebiete mit nicht-italienischer Bevölkerung sprachlich und kulturell italienisch zu dominieren und ihrer gewachsenen Identität zu berauben.

Wikipedia
Der Garten

Die Oma weinte.

So kam das Anwesen auf dem Kirchplatz an die Pramstrahlers und während der Großvater begeistert war, brach Stefans Oma beim Anblick der Ruine in Tränen aus. Den Gatten beeindruckte es nicht weiter, gekauft war gekauft und so fügte sie sich dem Schicksal und man fing irgendwann an, in der alten, bis heute erhaltenen Stube nach dem Gottesdienst Suppe zu verkaufen. Zur Kommunion musste man damals nüchtern erscheinen, die Wege waren weit und so florierte die einfache Suppenküche, in der all das verarbeitet wurde, was der Metzger nicht unbedingt brauchen konnte. Man renovierte, bekam Kinder, baute an und um und etablierte sich als eine Art „Kirchenwirt“.

Kunst am Schlern

Die alte Stube

Nach dem zweiten Weltkrieg, in den der Vater des Hausherren mit 14 geschickt wurde und den er nur dank der Flucht aus dem Lazarett überlebte, war an das Sammeln von Kunst nicht zu denken. Gerade in einer so kargen Berglandschaft wie Südtirol hatte man für viele Jahre ganz andere Sorgen, als sich dem Schönen im Leben zu widmen. Und doch war es genau das, was Karl Prahmstrahler wollte: sich nach einer grausamen Vergangenheit dem Schönen zu widmen. Er bewunderte die Künstler, die sich schon bald in der Stube des Turms trafen. Da es damals in der Gegend noch keine Kunsthändler und Galeristen gab, wurde der Turm alles in einem: Umschlagplatz, Ausstellung, Atelier und Treffpunkt der Szene. So kamen schon damals bereits mehr als 2.000 Kunstwerke zusammen, darunter neben Klee, Dix oder Kokoschka sogar ein echter Picasso. Unzählige alte Schätze findet man auch, darunter viele Schnitzereien aus der Region.

Schnitzen um zu überleben

Sieht man die Schnitzer heute als Künstler an, so fasste es Stefan etwa so zusammen: es ging um das nackte Überleben, diese Arbeiten dienten als Tauschmittel mit den durch Bozen fahrenden Händlern. Um nicht zu verhungern, schnitzte praktisch jeder in der Region. Gehandelt wurden damals vor allem Gewürze, die halfen allerdings im Kampf gegen den Hunger nicht wirklich. Um so mehr aber der Stockfisch, den die Händler aus dem Norden brachten. Somit erklärt sich auch eines der traditionellen Gerichte: das Stockfischgröstl, das man hier niemals erwarten würde!

Jede Ecke des Hauses lädt zum Verweilen ein

Der Turm heute

Das Romantik Hotel Turm präsentiert heute seine 800 Jahre alten Mauern nach den neusten Umbauten in 2019 in neuem Glanz. Der ganze Komplex erstreckt sich über drei Häuser und 5 Türme, zwei davon denkmalgeschützt aus dem 13. Jahrhundert, der Hauptturm und der Rundturm beim sogenannten Kraiterhaus. Daneben gibt es noch den Eulenturm, das Wagenhaus und den Falkenturm – hier lag auch unsere Suite, ganz oben unter dem Dach mit einem grandiosen Ausblick vom Balkon und aus mehreren Fensterfronten. Sogar die Dusche hatte ein kleines Fenster! Zu all den Türmen kommen mehrere Terrassen auf den verschiedenen Ebenen und eine Gartenanlage, sodass man sich sowohl zurückziehen kann, als auch einen Drink draußen genießen kann.

Die Zimmer

Urig, gemütlich, mit atemberaubender Aussicht oder extravagant: die Zimmer und Suiten in den Türmen haben für jeden was zu bieten, sind einzigartig und individuell eingerichtet. Nachdem wir bereits die extravagante Suite mit freistehender Wanne im Kraiterhaus testen konnten, wollte ich diesmal so weit wie möglich nach oben: und wir bekamen eine Suite im Falkenturm, unter den alten Dachbalken mit einem Flur ganz für uns alleine.

Die Haubenküche

Neben einem täglich wechselndem Tagesmenü in zwei Varianten als „Romantik Menü“ oder das „1001 Kalorien Menü“ gibt es eine große Á la carte Auswahl aus der klassischen Küche, regionalen Spezialitäten und modernen Interpretationen. Wir haben an beiden Abenden aus der Karte bestellt und probierten u.a. das regionale Tatar, eine wunderbar zart geschmorte Taube, ein so köstliches Hummer Risotto, dass ich es an beiden Abenden zur Vorspeise nahm und als süßen Höhepunkt Obstknödel, wie ich sie von meiner Oma kenne! Die Weine stammen zum Teil aus eigener Herstellung vom nahen Grottnerhof. Auch hier kann man übrigens wohnen!

3 Weiße + 1 Roter. Wir keltern im Grottnerhof unsere eigenen Weine: Weißburgunder Pica, Gewürztraminer Tetrix, Sauvignon Bubo und Blauburgunder Corax. Wohl bekomm‘s!

Romantik Hotel Turm.
Frühstück mit Traumblick!
Mystic Sauna

Aktivitäten

Im Prinzip gehöre ich zu den Menschen, die den Turm spontan gar nicht verlassen würden. Es gibt einen wunderbaren Wellnessbereich, Massagen, Bäder, Sauna, sogar einen Außenpool. Den Rest der – bei uns sowieso immer knappen – Zeit würde ich auf den Schlern schauen, lesen, schlafen, ein Gläschen trinken und dann das Ganze nochmal wiederholen. Eine Weinverkostung im Haus, die oben erwähnte Kunstführung, eine der angebotenen geführten Wanderungen vielleicht. Im März lädt der Hausherr, der gelernter Koch ist und international unterwegs war, zu einen mehrtägigen Kochkurs an. Ein Golfplatz liegt in der Nähe, nach Bozen muss man nur einmal Berg runter und natürlich gibt es die Seiser Alm zum Schifahren und Wandern. Da hat es mich dann doch hingezogen, denn Schnee ist ja bei uns inzwischen tatsächlich von gestern…

Wie im Märchen auf der Seiser Alm

Mein Fazit:

Nun war ich also im Hochsommer und im Winter Gast im Romantik Hotel Turm. Hat beides etwas für sich, ich könnte gar nicht sagen, was schöner war. Natürlich werden alle Golfer und Wanderer die sonnigen Monate vorziehen, aber will man wie ich vor allem relaxen, ist der Winter perfekt! In dieser Zeit gibt es (wie das ganze Jahr über) viele tolle Angebote und Extras, schau dir dafür einfach die Homepage an. Für mich jedenfalls ist das Romantik Hotel Turm einer der spannendsten Orte in Südtirol, ein Fest für alle Sinne! Und bei DER Familiengeschichte habe ich es mir nicht nehmen lassen, Stefan Pramstrahler auch zu einem kleinen „Hol(l)a trifft“ einzuladen!

Also hüpf schnell zum Interview, erfahre mehr über den Paradiesvogel Südtirols und darüber, warum mein Mann hier durchaus gerne eingeschneit wäre – und freu dich auf ein REZEPT für meinen Lieblingsnachtisch im Turm! Es gibt Zwetschgenknödel nach einem Familienrezept der Pramstrahlers!

Bis gleich! Deine Petra

Print Friendly, PDF & Email

Comments 1

  1. Pingback: Hol(l)a trifft: Stefan Pramstrahler - Romantik Hotel Turm in Völs am Schlern - Holla die Kochfee

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.