Côcô Indochine Nürnberg {Restaurant-Tipp}

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Côcô Indochine Nürnberg

Kambodscha, Mitte 19. Jahrhundert.

In den schlichten Gassen Hanois mischt sich der Duft Coco Chanels mit Anis, Kardamom und Koriander. Der Pariser Chic fasst Fuß im fernen Osten.

Detailverliebt zeigt sich die neue Architektur, die Elemente des westlichen Europas in die bestehende, meist sehr einfache Bauweise der asiatischen Kultur integriert.“

Manchen Begegnungen wohnt ein Zauber inne…

Manchmal treffe ich Menschen, sitze ein paar Stunden mit ihnen zusammen und es passiert…gar nichts. Man hatte einen netten Abend, geht aber sagen wir ohne das dringende Bedürfnis nach einer baldigem Wiederholung auseinander.

Und dann gibt es Abende, da sitze ich an einem Tisch mit jemandem, mit dem würde ich ohne Bedenken sofort in den Urlaub fahren. Wo die Chemie sofort stimmt, alles vollkommen selbstverständlich und vertraut ist, als kenne man sich schon ewig. Für alle am Tisch, nicht nur mich.

Das ist ein selten schöner Moment im Leben, den man einfach genießen muss. Hat der betreffende Gesprächspartner noch dazu ein wunderbares Restaurant, ist die Seelenverwandtschaft einfach perfekt!

Côcô Indochine Nürnberg Bar

Diesen wunderbaren Abend hatte ich zusammen mit Sibel von Insane in the Kitchen und Christina von der Agentur Kühn & Konkret letzte Woche in meinem aktuellen Lieblingslokal, dem Côcô Indochine in der Augustinerstraße 1 in Nürnberg.

Eröffnung 2016

2016 war ich hier bei der Eröffnung und gleich an diesem ersten Abend begeistert von der wunderbaren Küche, die uns an einem warmen Abend nach und nach präsentiert wurde. Die Stimmung war toll, eine Band spielte auf dem Gehsteig, es war wie Asien-Urlaub mit der Burg als Kulisse…

 

Was lange währt…

Natürlich war es an einem solchen Abend nicht möglich, mit einem der Chefs zu sprechen, die vielen Gäste und Freunde mussten bedient werden und da ist einfach kein Raum für Extra-Fragen. Aber bereits da dachte ich mir, ich möchte nicht nur ein paar Zeilen schreiben, sondern will mehr erfahren. Saß doch Christina neben mir und erzählte schon ein wenig über den Hintergrund des Côcô Indochine und die 4 Jungs, die es betreiben.

Wie es aber oft so ist, zog es sich bis letzte Woche hin, einen Termin zu finden, wir haben den Abend sicher viermal verschieben müssen, dazwischen war ich schon dreimal im Côcô essen – eigentlich gar nicht schlecht, denn so wusste ich vorher schon, dass die Küche die Qualität des ersten Abends hält und man einfach immer glücklich rausgeht!

Vier Gewinnt

Wer aber steckt hinter dem Côcô Indochine Nürnberg?

Das Côcô wird von vier Freunden geführt, ebenso wie das zweite Lokal in Nürnberg, das Côcô – taste of Asia in der Schlotfegergasse 2. Zwei machen eher das Organisatorische und zwei stehen in den Küchen. Das wäre soweit so ganz normal, aber dass die beiden Nicht-Köche in ihren Hauptjobs Elektro-Ingenieure sind ist eher ungewöhnlich. Und bewundernswert sowieso, denn die Gastronomie ist nicht direkt eine Beschäftigung, die man mal eben so als Hobby macht. Zumindest nicht langfristig und auch nicht erfolgreich. Aber dass der Mann, nennen wir ihn mal B., offenbar an deutlich mehr Stunden pro Tag verfügt als der Rest von uns, das wurde schnell klar. Ich habe selten einen jungen Mann erlebt, der so viel Energie hat, so zielstrebig ist und dabei so sympathisch und entspannt und witzig ist. Einer der begeistert ist und diese Begeisterung auf alle versprüht, man kann gar nicht anders.

Mister B. und seine unendliche Energie

Aufgewachsen in Hanoi und Berlin, die Eltern beide in Berlin studiert, umgab er sich lange nur mit deutschen Freunden. „Eine Weile war es total uncool, mit Asiaten rumzuhängen“. (Kann ich absolut nachvollziehen, für mich eine Erinnerung an die Zeit, als ich um die 14 oder 15 war, ich habe ewig kein Wort Tschechisch gesprochen, wollte unbedingt dazugehören und alles andere war wie er sagt, einfach nur „uncool“…)

Côcô – taste of Asia Nürnberg

In Berlin lernt er den jetzigen Koch des Côcô Indochine kennen, seinen ersten asiatischen Freund, wie er sagt. Der ist Koch, arbeitete jahrelang in vielen renommierten Restaurants, zuletzt im Grand Hyatt in Berlin. B’s Bruder ist ebenfalls Koch in Berlin, die Idee eines eigenen Ladens ist nicht weit. Der vierte im Bunde wird ein Studienfreund aus Nürnberg und die Suche nach einem Lokal beginnt. Am 10.7.2015 wird das Côcô – taste of Asia nach einer Umbauphase eröffnet. „Ich war der einzige Bewerber um das Lokal, der einen Businessplan dabei hatte“, sagt B. mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht, „das hat den Vermieter überzeugt.“

 

Côcô Indochine Nürnberg

Das Restaurant läuft gut und man sucht ein zweites. Fündig wird man in der Augustinerstraße, früher war hier eine Sportsbar – an die erinnert aber nichts mehr, nur Martin, den tollen Barkeeper, den hat man behalten.

„Dried Beef Salad“ – Grüne Papaya, getrocknetes Rind, Koriander & Chili.

Die Einrichtung

Sämtliches Mobiliar wurde aus Vietnam importiert, um das Côcô so authentisch wie möglich zu machen, in den typischen Farben gelb und grün. „Die meisten Häuser in meiner Heimat sind gelb“, sagt B., „und natürlich hätten wir auch in Deutschland grüne Fensterläden machen lassen können. Aber alles sollte original sein“. Nur bei der Bestuhlung habe man auch Kompromisse gemacht, neben den landestypischen Bänken finden sich im Côcô auch Stühle, der Europäer mag es eben bequemer.

Genau 1 Jahr nach dem ersten Restaurant wird das Côcô Indochine eröffnet. Mit einer Streetfood-Küche, die so frisch und leicht ist, dass man den ganzen Abend an Kleinigkeiten naschen kann, ohne sich erschlagen zu fühlen. Seht viel Veganes und Vegetarisches findet sich auf der Karte, Suppen, Salate, Currys und ganz neu auch Ente nach Pekinger Art, kross gebraten und einfach in Stücke geschnitten, die  man mit den Händen isst, getunkt in eine köstliche Soße.

„Summer in Rolls“ – Sommerrollen gefüllt mit Riesengarnelen, Mango, Ananas, Kräutern und Reisnudeln.

„Spring in Rolls“ – gebackene Reisrollen mit Rinderhack, Garnelen, Glasnudeln, Shitakepilzen, Enikopilzen, Cherrytomaten, Koriander & Lacuhzwiebeln.

Die Küche

Frische und gute Zutaten sind wichtig, die Lieferanten sind Freunde, so weiß man, was man bekommt – egal ob es sich um ganze Fische handelt, die erst vor Ort filetiert werden oder das Hanoi-Bier, das es nur hier gibt. „Wir arbeiten gegen den Convenience-Trend und machen alles selbst, vom luftgetrockneten Rindfleisch, das es später auf dem Salat gibt, bis zu den Soßen und Buns für den Bao Burger“.

Das Modewort „Fusion-Küche“ mag B. nicht auf seine Lokale anwenden, sei es doch eine eher künstlich geschaffene Verbindung zweier Esskulturen. „Die Küche Vietnams ist geprägt durch die französische Kolonialherrschaft, eine aus vielen Einflüssen entstandene „natürliche“ Mischung aus den Küchen Frankreichs, Chinas, Kambodschas:  „Wir lieben Baguette, belegen es aber nicht mit Camembert, sondern mit Koriander, essen Burger, aber als Bao-Burger mit Mango.“ Der ist auch zusammen mit dem Bun Bo Côcô, einem Reisnudelsalat mit Rindfleisch, der aktuelle Renner auf der Karte.

Ich persönlich mag es, zuhause ganz viele Schüsseln auf den Tisch zu stellen und jeder bedient sich. Auch im Lokal liebe ich es mehrere Dinge zu bestellen und mit Freunden zu teilen, so hat man alles probiert und die Mahlzeit wird familiär und entspannt und so viel schöner als wenn jeder nur ins einem eigenen Tellerchen herumstochert. Das geht im Côcô Indochine wunderbar, die Vorspeisen und Salate laden geradezu dazu ein. Mein Favorit sind die Sommerrollen und der Salat mit getrocknetem Rindfleisch (Dried Beef)!

Die Speisekarte

findet ihr HIER, die Preise sind absolut ok, bewegen sich zwischen 4.50 – 5.50 für die Vorspeisen und 8.50 – 12.50 für die Hauptgerichte.

Die halbe Ente Pekinger Art kostet 19 € und reicht locker für 2 Personen (am besten vorbestellen!)

Süßes gibt es natürlich auch, schwarzen Klebreis mit Jackfruit & Honigmango für 5.50, dazu ein wechselndes Special, zum Beispiel Côcô Panna Cotta für 4.50.

Martin an der Bar ist ein Vollprofi, einem wunderbaren Abend steht also nichts im Weg, im Sommer sogar draußen!

„Ente Pekinger Art“

„Chiquita Blossom“ Salat – Bananenblüten-Julienne, Perlhuhn, Möhren, Sojasprossen, Kräuter und ´geröstete Erdnüsse.

„Bao Burger mit Mango und Süßkartoffel-Fries“

Und jetzt?

Zur späten Stunde dann eine Idee des Hausherren: „Kommt wir sehen uns was an, ich bringe euch auch wieder her“ – und drei Mädels stehen ohne Protest auf und steigen zu B. ins Auto, wo eine Ladung Müsli mit den Worten verräumt wird, „ich mache jetzt wieder mehr Sport“. Und wir kommen uns alle drei spontan unglaublich faul und schlecht organisiert neben diesem Kerl vor, der offenbar an mehreren Orten gleichzeitig sein kann. „Ich bin eben nur mit meinen Lokalen verheiratet“, da geht sowas. Wo die Reise hinging, verrate ich euch noch nicht, aber es wird richtig toll und natürlich werde ich berichten!

Bis dann, eure Petra

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Comments 1

  1. Toll geschrieben und sehr intensiv dargestellt, ich hab das Gefühl, mich dem Coco Indochine verbunden zu sein – obwohl ich noch nie da war! Ein sehr gelungener Einblick, danke dir dafür!

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